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"Geschlechtsidentitätsstörungen,
Entwicklungspsychologische, Diesen Titel trug ein Vortrag, der im Jahr 1996 von dem Sexualmediziner und Kinderarzt Dr. med. Hartmut Bosinski aus Kiel gehalten wurde. Als eigentliches Thema stellte sich schnell der Bereich 'Diagnose und Differentialdiagnostik bei Transsexuellen' heraus. Der Begriff 'Differentialdiagnose' bedeutet, daß eine Diagnose durch Ausschluß aller anderen möglichen Krankheitsbilder gestellt wird. Diese Art der Diagnostik wird unter anderem bei der Begutachtung Transsexueller angewandt.
Nach Dr. Bosinski werden in der Hauptsache folgende Störungen abgegrenzt:
Beim Thema 'Psychotherapeutische Behandlung' betonte Dr. Bosinski, daß diese ergebnisneutral sein müsse, also weder eine Operation noch die Versöhnung mit dem eigenen körperlichen Geschlecht zum Ziel haben dürfe. Außerdem dürfe die Therapie nie als Alternative zur Operation gesehen werden. In einer Art 'Therapeutischem Bündnis' zwischen Therapeut und Patient sollte vielmehr festgestellt werden, was nötig bzw. möglich ist. Als wichtige Leitlinien für Therapeuten sprach der Redner davon, Sexualität thematisierbar zu machen und alle Patienten ernst zu nehmen. Nicht zu unterschätzen sei die Gefahr einer unkritischen Überidentifikation. Weiterhin sei es auch Aufgabe einer Therapie, festzustellen, inwieweit ein Leidensdruck vorhanden ist und ob dieser durch eine anpassende Operation gemindert werden kann.
Der Alltagstest nimmt für Dr. Bosinski eine Schlüsselrolle ein. Er betonte, dies sei nicht als 'Schikane' des Gutachters dem Patienten gegenüber gedacht. Transsexuelle hätten hier die Chance, auszuloten, ob ihre Vorstellungen zu verwirklichen sind. Der Alltagstest sollte unbedingt vor hormonellen oder chirurgischen Maßnahmen einsetzen, da diese in der Regel nicht rückgängig zu machen sind. Eine andere Vorgehensweise sei als 'Kunstfehler' anzusehen. Zugleich beklagte er, daß viele Transsexuelle zu einem Alltagstest vor Beginn einer hormonellen Therapie nicht bereit wären, obwohl doch kein Mensch sähe, " …ob die Bluse nun ausgestopft oder der Busen echt ist." Auch führe der Druck, der bewußt oder unbewußt in vielen Selbsthilfegruppen auf Unentschlossene ausgeübt werde, oft zu übereilten Entschlüssen.
In der folgenden Diskussion sprach Dr. Bosinski auch über die familiäre Situation seiner transsexuellen Patienten. Bei vielen Patienten wären in den ersten drei Lebensjahren – der Phase der Separation und Identifikation – Mutter-Kind-Störungen schwerster Art vorgefallen. Weiter wäre bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen eine Gruppe besonders herausgestochen; die Mann-zu-Frau-Transsexuellen ließen sich grob in zwei Gruppen unterteilen: Frau-zu-Mann:
Mann-zu-Frau, Gruppe 1
Mann-zu-Frau, Gruppe 2
Dr. Bosinski präsentierte sich als kompetenter, erfahrener und auch pragmatischer Psychiater, der wohl durchaus die tatsächlichen Ängste und Nöte Transsexueller nachvollziehen kann. Dies betrifft jedoch nur den Vortragenden Bosinski. Über den Gutachter Bosinski können wir an dieser Stelle keine Aussage machen. von Sarah 10.02.2000 © VIVA TS Selbsthilfe |
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