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HaarErsatz

Beginnende Glatzenbildung ist für manchen Bio-Mann schon ein großes kosmetisches Problem, dem viele mit so allerlei Mittelchen und Strategien entgegenzuwirken versuchen. Ein riesiger Markt für seröse Forscher und dubiose Geschäftemacher, die so alles mögliche versprechen, hat sich hier in den letzten Jahren aufgetan. Für MzF Transsexuelle kann eine Glatze zu einem scheinbar unüberwindbarem Problem werden. Wer kann sich schon vorstellen, sein Leben lang auf einen Haarersatz angewiesen zu sein?

Wir haben recherchiert, welche Methoden es im Moment gibt, um fehlende Haarpracht zu kaschieren oder zu ersetzen, und was sich in den nächsten Jahren auf diesem Gebiet tun wird.

 

PERÜCKEN

Perücken und Haarteile werden schon seit vielen Jahrhunderten verwendet Die Herstellung ist mittlerweile so perfektioniert, daß eine gut gemachte Perücke nicht mehr als solche erkennbar ist. Es werden Perücken in Echthaar und Kunsthaar angeboten, die Preisspanne reicht von unter hundert Mark bis hin zu einigen tausend Mark. Genaueres dazu siehe auch im Kasten unten.

Wenn man auf eine Perücke angewiesen ist, weiß man aber auch, daß sie nicht viel mehr als eine mäßige Prothese ist. Jeder Windstoß oder die Hand des Freundes, der einem liebevoll durchs Haar streichen will, können Panikreaktionen auslösen. Dazu kommt die allabendliche Demaskierung, die aus der hübschen Frau wieder den Typen mit Glatze macht und die vielen Einschränkungen im Alltag - wer war schon mal mit Perücke baden?

Andere Lösungen sind also gefragt.

Der Perücke am ähnlichsten ist eine Methode, die sich schon seit fast 30 Jahren bewährt hat:

HAIRWEAVING

Beim Hairweaving wird ein Haarteil (meist aus Echthaar) mit dem eigenen Haar verwoben. Es entsteht also eine Frisur, kombiniert aus Eigen- und Fremdhaar. Der Vorteil daran ist, daß man rund um die Uhr festsitzende Haare hat, die man ganz normal wäscht, föhnt und frisiert. Da die eigenen Haare mit in die Frisur einbezogen werden, kann man auch Haaransatzlinien zeigen und z.B. einen Zopf flechten, bei dem man den Haaransatz im Nacken zeigt.

Da das Haarteil an den eigenen Haaren befestigt ist und diese natürlich weiterwachsen, wird das Weaving etwa alle vier Wochen wackelig und man muß zum Nachziehen gehen. Dabei wird das Haarteil dann auch gleich fachmännich gereinigt und neu gestylt. Nach Befestigung kann es an den verwobenen eigenen Haaren einige Tage zu einem leichten Spannungsgefühl kommen. Neigt man dazu, schnell Kopfschmerzen zu bekommen, kann dies zu Problemen führen.

Der größte Nachteil am Hairweaving ist aber der hohe Preis. Ein Haarteil kostet je nach Haarlänge und Qualität etwa 2500 bis 4500 Mark. Der hohe Preis wird durch besondere Haarqualitäten und Knüpfmethoden verursacht. Schließlich will man das Haar später ganz normal waschen und kämmen und man schläft auch damit. Die Beanspruchung ist also viel höher als bei einer Perücke. Dazu kommen die Kosten für spezielle Pflegemittel und das Nachbefestigen, sie liegen bei etwa 250 Mark pro Monat. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von etwa einem Jahr pro Haarteil summieren sich die Kosten schnell auf 500 Mark im Monat.

 

URSÄCHLICHES

Man kann das Problem natürlich auch im wahrsten Sinne des Wortes "an der Wurzel" packen. Dazu sollte man sich erst klar werden, warum die Haare ausfallen. Wenn die Haare nicht krankheitsbedingt ausgefallen sind (z.B. nach Chemotherapie oder Pilzbefall), liegt der Grund meist am erblich bedingten Haarausfall. Wenn Vater und Großvater bereits eine Glatze hatten, ist es sehr wahrscheinlich, daß man auch eine bekommt.

Leidet man am erblich bedingten Haarausfall, lagern sich an bestimmten Rezeptoren der Haarwurzel männliche Hormone an. Sie sorgen dafür, daß der Haarwuchs immer schwächer wird. Die Haarwurzel stirbt dann nach einer längeren Ruhepause völlig ab. Erblich bedingter Haarausfall tritt nur am Ober- und Hinterkopf auf, der Haarkranz bleibt immer erhalten. Dieses Wissen bietet die Möglichkeit, dem Problem mit verschiedenen Lösungsansätzen zu begegnen.

 

HAARWUCHSMITTEL

Auf dem Gebiet der Wässerchen und Tinkturen wird sehr viel Werbung gemacht und vieles versprochen. Leider zeigen die meisten Produkte keine oder nur mangelhafte Wirkung und verzögern bestenfalls den Ausfall weiterer Haare. Zwei Ausnahmen wollen wir hier erwähnen:

Zum einen ist dies die Gabe von weiblichen Hormonen bzw. die Unterdrückung der Produktion männlicher Hormone. Diese Lösung kommt allerdings nur für MzF-Transsexuelle und biologische Frauen mit Hormonstörungen in Frage, da die Nebenwirkungen wie Impotenz und Brustbildung für einen Bio-Mann wohl nicht hinnehmbar sind. Hormonhaltige Haarwasser wie Ell-Cranell sind deshalb auch nur gegen Rezept zu haben. Die Wirkung ist um so besser, je kürzer der Haarausfall zurückliegt. Wunder sollte man sich nicht erwarten. Haarwurzeln, die bereits abgestorben sind, können natürlich nicht wiederbelebt werden.

Im Moment werden auch Mittel erforscht, die die Rezeptoren der Haarwurzeln belegen, ohne die Reaktion Haarausfall zu bewirken.

In Amerika machte vor einigen Jahren das Mittel Minoxidil große Schlagzeilen. Das Mittel enthält einen Wirkstoff, der eigentlich zur Blutdrucksenkung entwickelt wurde. Als Nebenwirkung wurde festgestellt, daß den damit behandelten Patienten teilweise am ganzen Körper Haare wuchsen. Bei äußerlicher Anwendung wirkt das Mittel nur an den behandelten Stellen und die blutdrucksenkende Wirkung tritt nicht ein. Besonders am Hinterkopf wird das Haarwachstum durch Minoxidil angeregt, allerdings nur so lange, wie man das Mittel verwendet, nach Absetzen fallen die Haare wieder aus.

Minoxidil ist in Deutschland nicht zugelassen, man muß es aus der Schweiz oder aus Amerika importieren.

In jedem Fall muß man sich auf einen langen Zeitraum einstellen. Bis aus nachgewachsenen Härchen wieder Haare werden und diese so lang sind, daß man eine Frisur daraus machen kann, können Jahre vergehen.

Dies ist auch bei der nun folgenden Methode der Fall:

EIGENHAAR-TRANSPLANTATION

Bei der Eigenhaartransplantation werden Hautstreifen aus dem Haarkranz (wo das Haar auch bei erblich bedingtem Haarausfall erhalten bleibt) entnommen und an kahle Stellen transplantiert. Je nach Größe der Transplantate spricht man von

  • Hautlappentransplantation (ganze Hautstreifen werden verpflanzt),
  • Mini-Graft Transplantation (Hautstücke mit drei bis acht Haarwurzeln werden verpflanzt),
  • Micro-Graft Transplantation (Hautstücke mit drei oder weniger Haarwurzeln werden verpflanzt).

Eine Haartransplantation macht nur Sinn, wenn die kahlen Flächen nicht zu groß sind, denn es werden nur die vorhandenen Haare umverteilt. Ist nicht mehr viel zum Verteilen da, kann man keine überzeugende Haarpracht herstellen. Weitere Nachteile sind neben hohen Kosten oft mangelhafte kosmetische Ergebnisse wie z.B. ein Klobürsten-Effekt bei zu großen Transplantaten, mangelde Dichte der Haare und eine Vernarbung des ganzen Kopfes.

Einige Firmen werben auch immer noch mit Kunsthaartransplantationen. Diese hat zwar den Vorteil, daß man beliebig viele Haare auf den Kopf transplantieren kann. Trotzdem ist davon aber dringenst abzuraten, da auch die besten Kunsthaare relativ schnell verschleißen (und im Gegensatz zu echtem Haar nicht nachwachsen). Außerdem gibt es fast immer Komplikationen mit Infektionen, denn man hat ja tausende Stellen am Kopf, wo künstliche Haare die Haut durchdringen und Keime in die Haut eindringen können.

Bei einer Eigenhaartransplantation muß man auch damit rechnen, daß die transplantierten Haare erst mal ausfallen und es dann lange Zeit dauert, bis aus den nachwachsenden Härchen wieder eine Frisur machbar ist. In der Zwischenzeit ist die vernarbte Kopfhaut sichtbar. Wir raten im Moment von einer Eigenhaartransplantation ab, da einige vielversprechende neue Forschungsergebnisse kurz vor der Marktreife sind.

Die Forschung arbeitet im Moment mit Hochdruck an der Lösung des Haarproblems, schließlich wartet ein riesiger Markt auf die Schnellsten. Am vielversprechendsten sind die folgenden beiden Neuentwicklungen:

NOCH IN DER ENTWICKLUNG

Forschern ist es gelungen, eigene Haarwurzeln im Labor zu vermehren. Diese kann man dann wieder implantieren. Auf diese Weise lassen sich beliebig viele neue Haare am Kopf ansiedeln. Ein Mitglied der VIVA nimmt bereits an einem Testprogramm teil und berichtet von ersten Erfolgen.

Auch die Wirkung von Minoxidill hat die Forscher beflügelt, weiterzuforschen. Es stehen einige Mittel kurz vor der Marktreife, die die Produktion von neuen Haarwurzeln anregen sollen oder schlummernde Haarwurzeln reaktivieren können. Auch hier läßt die Zukunft hoffen.

Bevor man sich also zu einer teuren und doch mangelhaften Lösung entschließt, lohnt es sich im Moment also, noch etwas Geduld zu zeigen.

Wir werden Euch über alle Neuentwicklungen unverzüglich informieren.

Lea

Site by Sarah
06.06.2001 © VIVA TS Selbsthilfe

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