Home
Die VIVA
Termine
TS-Info
Frauen
Coming out
Outing
Gutachten & Therapie
Alltagstest
Haare
Hormone
Operation
Recht
Männer

Zeitung
Selbsthilfe
Medien
Tips & Tricks
Interaktiv

MzF-SysbolMzF-SysbolMetamorphöschen

Über ein halbes Jahr führte eine transsexuelle Frau über die Wirkung der Hormone auf Körper und Geist Tagebuch. Für uns schildert sie ihre Erfahrungen.

 

TAG NULL

Heute ist es soweit: Das Hormonzeitalter beginnt. Lebenslang. Mein Gewicht liegt bei etwa 62 Kilogramm. Meine Maße: Hüfte 90 cm, Taille 72 cm, Brust 90 cm.

Da es mit der Kostenübernahme Probleme gibt, habe ich die verschriebene Dosis reduziert. Statt mit zwei Androcur 50 mg täglich werde ich mit einer halben starten. Als Östrogen werde ich zunächst eine Estrifam forte täglich nehmen. Mir ist bewußt, daß dies eine sehr niedrige Dosis ist, aber irgendwie habe ich auch eine bißchen Angst vor den Nebenwirkungen.

 

ZWEITE WOCHE

Mir scheint, daß der Bart langsamer wächst. Außerdem ist die Libido gesunken. Sonst habe ich bisher keine Veränderungen bemerkt. Allerdings macht sich ein starker psychosomatischer Effekt bemerkbar. War ich vorher eher leicht depressiv, so fühle ich mich jetzt ziemlich wohl.

 

VIERTE WOCHE

63 kg; H 90 / T 74 / B 91
Die Hoden beginnen zu schrumpfen. Sexuell geht gar nichts mehr. Mir geht der Trieb auch nicht ab, im Gegenteil. Seit kurzem meine ich, stärker zu frieren. Sonst fühle ich mich wie immer. Die Östrogene habe ich auf zwei Tabletten Estrifam forte täglich erhöht.

 

SECHSTE WOCHE

Manchmal friert es mich so sehr, daß ich gar nicht mehr weiß, was ich noch anziehen soll. Dabei ist es doch gar nicht sooo kalt. Dazu plagen mich nächtliche Schweißausbrüche. Oft wache ich mitten in der Nacht auf und alles ist feucht: Nachthemd, Bettdecke, Laken, einfach alles. Dafür sind Konzentrations- und Leistungsfähigkeit gestiegen, vor allem in der Arbeit.

 

ACHTE WOCHE

63 kg; H 91 / T 72 / B 90
Ab heute nehme ich eine ganze Androcur 50 mg täglich.

Ich habe Schmerzen im Brustbereich. Es fühlt sich an, als wenn das Gebiet der Brustwarzen entzündet wäre. Momentan schmerzt es jedoch nur, wenn man auf die Brustwarzen drückt. Neuerdings werde ich vom Essen nicht mehr richtig satt. Ich muß bewußt die Nahrungsaufnahme stoppen, sonst würde ich weiter essen, bis ich platze.

 

ZEHNTE WOCHE

Durch enge Kleidung wie Bodies zeichnen sich unverkennbar Brüste ab. Ganz klein noch, aber vorhanden. Die Brustwarzen sind jetzt fast immer steif, die Mamillen sind schmerzempfindlich. Auch sonst wird der Körper femininer. Allerdings habe ich in letzter Zeit oft trockene Hände. Psychisch geht es mir nach wir vor ausgezeichnet.

 

ZWÖLFTE WOCHE

63 kg, H 91 / T 71 / B 90
Meine Mamillen dunkeln ein. Waren sie früher zart rosa, so kommen sie mir jetzt eher purpur-braun vor. Auch die Nippel sehen anders aus. Unter den Mamillen ist ein zwei Zentimeter großer Bereich, der hart und schmerzempfindlich ist. Die Hoden haben jetzt etwa Größe und Form von frischen Oliven; vorher hatten sie sich eher wie getrocknete Datteln angefühlt.

Negative psychische Wirkungen wie Depressionen, Antriebslosigkeit etc. blieben bisher aus. Im Gegenteil, ich bin so aktiv wie seit Monaten nicht mehr.

 

SECHSZEHNTE WOCHE

63 kg; H 92 / T 72 / B 92
Ich habe das Ergebnis der letzten endokrinologischen Untersuchung bekommen. Der Testosteronwert ist von 5,7 bzw. 10,7 auf 1,3 nmol/l gesunken. Damit ist der Testosteronlevel nahezu unten, trotz der niedrigen Androcurgabe. Der Östradiolwert liegt mit 96 nmol/l relativ niedrig. Deshalb habe ich beschlossen, auf Progynom 100mg Depot zu wechseln.

Die körperlichen Veränderungen setzen sich langsam in Gang. Die Figur wird femininer, nur die Taille zu halten fällt mir schwer. Ich habe den Eindruck, daß sich überall etwas Fett einlagert. In letzter Zeit habe ich mit Verdauungsproblemen zu kämpfen. Die Körperhaare wachsen etwas feiner und auch langsamer. Die Libido ist meistens weg, könnte aber reaktiviert werden. Aber das will ich gar nicht.

Es hat den Anschein, als würden sich meine Gesichtszüge verändern, femininer werden. Das behaupten jedenfalls meine Freundinnen. Für mich selbst ist das schwer zu beurteilen. Meine Haut wird immer trockener, sowohl an den Händen als auch im Gesicht. Psychisch fühle ich mich nach wie vor gut.

 

ACHTZEHNTE WOCHE

Inzwischen habe ich meine erste Progynom-Injektion bekommen. Danach hat mir die Pobacke ziemlich weh getan, wie von einem Pferdekuß. Zwei Tage nach der Spritze habe ich Muskelkater in den Oberschenkeln.

Mir fällt es schwer, meine momentane Stimmung zu beschreiben. Irgendwie bin ich zur Zeit ziemlich sensibel und verletzlich, auch ein bißchen melancholisch. Es ist, als wenn in mir eine Tür aufgegangen wäre, durch die die Gefühle herausströmen. Ich bin ziemlich verwirrt. Dazu wünsche ich mir in letzter Zeit sehnlichst einen Partner – was mir zuvor eher egal war.

 

FÜNFTER MONAT

63 kg; H 93 / T 73 / B 93
Die Figur wird zunehmend weiblicher, vor allem oben. Aber auch die Beine sind nicht mehr so sehnig und knochig wie früher. Genauso ist auch deutlich eine Verweiblichung im Gesicht feststellbar.

Zur Zeit bin ich ziemlich deprimiert. Wie stark hier die Hormone eine Rolle spielen, ist schwer zu beurteilen. Irgendwie ist es derzeit einfach alles "too much". Manchmal fühle ich mich wie "in Watte gepackt". Und immer noch ist dieser starke Partnerwunsch vorhanden. Wegen meiner schlechten Stimmung werde ich ab sofort nur noch eine halbe Androcur 50 mg täglich nehmen, also die Hälfte der bisherigen Dosis. In ein paar Wochen wäre ich nach "Therapiefahrplan" sowieso heruntergegangen.

 

SECHSTER MONAT

63,5 kg; H 93 / T 73 / B 94
Mittlerweile habe ich Probleme, die Brüste in der Arbeit zu kaschieren. T-Shirts sind tabu, Hemden gehen noch. Ich habe auch den Eindruck, daß die Brüste jetzt weniger nach vorne wachsen, sondern eher voller werden. Die spitze Mädchenbrust, die vor zwei Monaten noch sehr ausgeprägt war, beginnt sich aufzufüllen. Allerdings sind die Brüste nach wie vor recht hart. Der harte Bereich ist inzwischen wohl drei Zentimeter im Durchmesser groß. Die Mamillen sind größer und dunkler geworden. Außerdem wird der Brustbereich langsam zur erogenen Zone.

Im Unterbauch lagert sich Fett ein. Ich bin mir jedoch gar nicht sicher, ob mir das gefällt, auch wenn es weiblich ist. Das Verhältnis von Hüfte zu Taille hat sich eher verschlechtert. Überhaupt habe ich seit längerem Probleme, Gewicht und Taille zu halten. Dazu habe ich Verdauungsprobleme. Dies äußert sich in schlechtem Stuhlgang und Blähungen. Nach dem Essen fühle ich mich voll, aber hungrig.

Die nächtlichen Schweißausbrüche sind weg. Dafür wache ich nun regelmäßig morgens um sechs Uhr auf und kann oft nur noch schlecht wieder einschlafen. Hände und Gesichtshaut sind nach wie vor trocken. Ich habe den Eindruck, Muskelkraft zu verlieren.

Der Partnerwunsch ist eher noch stärker geworden. Manchmal ist es fast unerträglich. Auch meine schlechte Stimmung hat sich nicht gebessert. Ich bin angespannt. Schon kleinste Mißgeschicke bringen mich derzeit an den Rand der Verzweiflung. Dazu träume ich sehr intensiv – hin und wieder habe ich auch leichte Alpträume.

 

SIEBTER MONAT

64 kg; H 93 / T 73 / B 94
Langsam scheint sich der Körper an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Meine Verdauungsprobleme sind fast vorbei und auch das Hungergefühl normalisiert sich. Ebenso verbessert sich der Feuchtigkeitsgehalt der Haut wieder. Allerdings nehme ich etwa ein Pfund pro Monat zu. Die Brüste sind nochmal etwas voller geworden..

Mein Stimmungstief scheint sich zu bessern, dennoch bin ich immer noch unter Normal. Immer intensiver werden die Partnerschaftswünsche. Ich träume auch sehr oft davon.

Manchmal habe ich Angst, das alles nicht durchzustehen, obwohl ich weiß, daß ich es kann. Doch ich bin sehr glücklich über die körperlichen Veränderung – ein Glück, das ich so nie erwartet hätte. Auch psychisch geht es mir – trotz meines momentanen Stimmungstiefs – im allgemeinen besser. Ich fühle mich wohl in meinem Körper und empfinde ihn nun als weiblich, auch wenn das ein oder andere daran noch eindeutig männlich ist. Und ich bin mehr als je zuvor überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein.

 

NACHTRAG

Seit dem ich dieses Tagebuch für den VIVATISSIMUS geschrieben habe, ist viel Zeit vergangen. Mittlerweile bin ich operiert und lebe als ziemlich normale Frau. Da dieses Hormontagebuch mittendrin aufhört, möchte ich nachträglich ein paar Worte darüber schreiben, wie es mit mir weiterging.

Nach etwa einem Dutzend Progynon-Spritzen im 14-täglichen Abstand war mein Östrogenspiegel irgendwo jenseits der 1200. Das erschien mir dann doch entschieden zu hoch und ich verringerte zuuerst auf drei, dann auf vier Wochen Abstand. Geschadet hat es mir nicht, eher im Gegenteil. Auch das Androcur habe ich konsequent reduziert, bis ich es nach etwa einem Jahr ganz abgesetzt habe.

Meine Brüste hatten etwa einem dreiviertel Jahr beschlossen, das Wachstum einzustellen, worüber ich natürlich nicht sehr glücklich war. Immerhin hatten sie eine sehr schöne Form, wenn auch die Größe zu wünschen übrig ließ. Außerdem hatte ich nach wie vor diese harte Scheibe unter den Brustwarzen. Ansonsten hatte sich der Körper natürlich feminisiert, wobei sich die Änderungen in Grenzen hielten. Die Hüften wurden etwas breiter, die Körperhaare etwas feiner und weniger. Stark nachgelassen hat meine Körperkraft.

Vier Wochen vor der geschlechtsangleichenden Operation ließ ich mir meine letzte Progynon-Spritze verpassen.Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich dann etwa zur OP normale Hormonwerte haben müsste. Mein Östradiolwert lag zu dieser Zeit etwa um 300, das Testosteron unter 0,1. Insgesamt nahm ich vor und nach der OP über zehn Wochen keine Hormone. Das hat sich vor allem auf die Brüste ausgewirkt, die nach dieser Zeit fast völlig verschwunden waren. Eine starke psychische Auswirkung dieses Hormonentzugs habe ich nicht gespürt. Auch sonst reagiere ich psychisch auf unterschiedliche Präparate oder Dosen kaum.

Nach der OP ließ ich mir von meinem Frauenarzt ein Präparat auf Tablettenbasis namens Neo-Eunomin verschreiben. Neo-Eunomin ist eine hochdosierte Mikropille mit einem antiandrogenen Anteil. Sie wird oft bei Frauen mit Hormonstörungen eingesetzt. Ich hoffte damit auf einen 'normalen' Östrogenspiegel von etwa 100 bis 200 zu kommen. Dazu nahm ich täglich eine Neo-Eunomin. Nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass sich mein Körper wieder stark feminisierte. Vor allem die Brüste wuchsen stark und wurden größer als vor der Operation, so dass ich nun irgendwo zwischen Cup A und B lag. Außerdem hatte ich ein starkes Spannungsgefühl in den Brüsten, fast so wie zu Beginn der Hormontherapie. Dieses Spannungsgefühl hielt etwa ein Jahr lang an.

Mittlerweile hat sich alles ziemlich normalisiert. Meine Werte schwanken zwischen 100 und 200, mein Appetit ist normal, auch mein Gewicht habe ich über die ganze Zeit konstant gehalten. Mit meiner Figur bin ich sehr zufrieden, hier hat sich gerade nach der OP noch einmal viel getan. Die Brüste sind nicht groß, aber mir reichen sie allemal. Leider habe ich immer noch diese nächtlichen Schwitzattaken. Daran haben auch einige Präparatswechsel nicht geändert, so dass ich nun wieder bei Neo-Eunomin gelandet bin. Am besten scheint es zu sein, wenn ich die Tablette gleich morgens nehme. Über die psychischen Auswirkungen kann ich wie schon gesagt leider nicht viel berichten, da ich kaum welche bemerkt habe.

Michaela
(Name geändert)

Site by Sarah
20.02.2000 © VIVA TS Selbsthilfe
Anfang Vorige Nächste Zurück Homepage Anfang Vorige Nächste Zurück Homepage Suche Inhalt Mail