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Wie ändert sich die Sexualität bei Partnern?

 

Die Überschrift ist etwas verwirrend. Gibt es eine Änderung der Sexualität? Oder muss man sich etwa anpassen ? Dies sind schwierige Fragen vor denen Partner von Menschen die in ihrem Wunschgeschlecht leben möchten, unweigerlich stehen.

Die Wahrheit

Oft werden ja Geschlechtsidentitätsprobleme in der Anfangszeit einer Beziehung verschwiegen. Manchmal über Jahre hinweg. Es wird eine sogenannte der Gesellschaftsnorm entsprechende Beziehung gelebt. Dann wird man plötzlich mit einer völlig neuen Seite des Partners konfrontiert. Man fühlt sich im ersten Moment hintergangen. Man denkt darüber nach ob man nicht genügt hat. Was fühlte der Partner die ganze Zeit während der Beziehung, während der Sexualität? Und dann kommt der Gedanke: Wie lebe ich nun die Sexualität? Anfangs ist zwar immer noch derselbe Körper vor mir, aber dennoch ist alles anders. Zu der Bewältigung der unweigerlich neu auftretenden Alltagsprobleme, gesellen sich nun auch Hürden beim Ausleben der Sexualität.

Tabuthema

Wie in der übrigen Gesellschaft, sind Probleme mit der Sexualität auch bei uns ein Tabuthema..Bei den Recherchen die ich zu diesem Artikel führte, kam ich zu dem Ergebnis, dass es für alle Partner sehr schwierig ist sich auf eine neue Art körperlich zu lieben. Viele können nicht gleichgeschlechtlich lieben, da sie den gleichgeschlechtlichen Körper nicht anziehend finden. So ein Ausspruch einer Partnerin/ MzF: "Wenn ich mir vorstelle das ich die Brust meines Partners berühren soll, dann kann ich doch auch gleich meine Brust berühren!"

Norm der Gesellschaft

Ein weiterer Aspekt ist oft auch die gesellschaftliche Definierung der sexuellen Rollen. Das heißt der männliche Teil ist meist aktiv und der weibliche Teil ist passiv. Es kostet in der Zeit, in der die Transsexualität noch verborgen ist, bei den Betroffenen oft sehr starke Überwindung sich der "Norm" entsprechend zu verhalten. Man gibt sich also anders als man eigentlich sein möchte. Bei Gesprächen mit MzF wurde oft hervorgehoben, dass oft der Wunsch da war, die Aktivität in der Sexualität abzugeben. Sich einmal nur hingeben zu können. Eine nach dem Rollenwechsel meist notwendige Neuverteilung dieser Rollen birgt oft auch Schwierigkeiten in sich. Viele Partner haben mit der neuen Verteilung der sexuellen Aktivität große Probleme. Es ist immer noch so (auch wenn ich jetzt wahrscheinlich viele Gegenantworten bekomme), dass die Frau sich oft in der Sexualität passiv gibt, sich dem stärkeren Part hingibt und sich führen lässt. Nun ist aber eine Gleichstellung oder auch Umkehrung da. Die "neue" Partnerin fordert Aktivität von der "alten" Partnerin. Wenn diese keine Aktivität übernimmt, findet Sexualität oft einfach nicht mehr statt.

Selbstfindung bei Partnern?

Viele Partner, die sich auf die neue Situation einlassen können, entdecken neue, bisher verdeckte Gefühle. Eine Partnerin erzählte, dass sie durch die Thematik Transsexualität des Partners erst ihre eigenen lesbischen Gefühle entdeckte. Lange Zeit blockte sie ab und dachte nicht im Traum daran, dass sie einmal "umschwenken" könnte. Aber durch die Erfahrungen und Erlebnisse, die sie durch die Transsexualität des Partners machte, fand sie durch Arbeit an ihren eigenen Gefühlen heraus, dass sie auch eine lesbische Neigung hat. Sie lernte ihre bisexuelle Neigung zu leben. Dies ist aber oft der Ausnahmefall.

Doch eine Änderung?

Von einer Änderung kann also oft nicht die Rede sein. Kann man Sexualität ändern? In gewissen Punkten vielleicht schon, oder besser: neu entdecken. Wenn man die erlernten gesellschaftlichen Normen und Regeln überwindet, ergeben sich vielleicht auch für den Partner völlig neue sexuelle Aspekte. Nimmt man den Menschen nur an, weil er den Körper hat, den man begehrenswert findet, oder kann man sich vorstellen sich einfach nur zu lieben, weil man liebt. Dies ist natürlich sehr einfach gesagt. Wichtig ist, daß man zu dieser Erkenntnis selbst kommt. Unter Zwang oder dem Druck der Situation ist das oft unmöglich und darum klappt es auch so oft nicht.

Transvestismus

Bei Partnern von Transvestiten konnte ich verschiedene Erfahrungen feststellen. Eine Partnerin erzählte mir, dass sie ihren Partner akzeptiert, wenn er weibliche Kleidung anzieht und sie dann auch eine Art Freundin in ihm sieht, mit der sie über vieles reden kann, was sie mit ihrem "Mann" vielleicht nicht besprechen würde und könnte. Aber in der Sexualität ist die weibliche Seite dann doch ausgegrenzt. Sie sagt von sich, dass sie eben keine lesbischen Gefühle hat und es auch nicht ausleben möchte. Aber beide schaffen es, ihre Beziehung so zu gestalten, dass sie glücklich miteinander leben. Bei anderen Paaren war es dann wieder schwieriger einen Konsens zu finden. Doch auch hier ist es für beide wichtig, erlerntes Rollenverhalten abzulegen und einfach mal etwas neues auszuprobieren. Vielleicht klappt es ja (und macht sogar Spaß).

Rezept für die Sexualität?

Man sieht also, dass kein Rezept für einen Fortbestand der Partnerschaft existiert. Man kann sich aber wieder annähern. Beide Seiten müssen sich dazu aber öffnen und über Ihre Gefühle sprechen und gewillt sein Neues zu versuchen. Auch wenn anfangs auf beiden Seiten Unsicherheit vorhanden ist.

Es gab mal den Ausspruch eines Partners : "Nicht das Geschlecht des Partners ist mir wichtig, sondern der Mensch insgesamt bedeutet mir viel." Ein schönes Schlusswort, das hoffentlich bei vielen Zuspruch finden wird. Auf beiden Seiten.

Christina R.

 

Kontakte für Angehörige und Partner im IRC
Bei Recherchen zum Thema Partnerschaft und Angehörige bekam ich diesen IRC-Chat-Tipp: #trannie-angehoerige.de
Weitere Informationen wie man im IRC chattet usw. unter http://www.trannie.de/

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02.09.2001 © VIVA TS Selbsthilfe
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