Geschlechtsangleichende OP
bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen
bearbeitet von Lea
Bei MzF-Transsexuellen wurde in den letzten Jahren eine Standardmethode entwickelt, die sich bei den einzelnen Operateuren nur noch marginal unterscheidet. Sowohl das ästhetische Bild als auch die Funktionalität ist bei sachgerechter Durchführung äußerst zufriedenstellend. Die Angleichung erfolgt in der Regel in zwei Operationen. In der ersten werden alle wesentlichen Schritte durchgeführt. Die zweite Operation dient nur noch der kosmetischen Korrektur.
Die Hauptoperation umfaßt folgende wesentliche Arbeitsschritte:
AMPUTATION DER HODEN
Hierzu wird der Hodensack längs aufgeschnitten und die beiden Hoden werden mit den Samensträngen entfernt. Die Haut des Hodensacks dient später zur Bildung der Schamlippen.
AUSHÖHLUNG DER NEOVAGINA
Es wird ein etwa 15 cm langer Hohlraum zwischen Darm und Blase gebildet. Hierbei muß der Operateur besonders sorgsam vorgehen, denn es besteht die Gefahr, den Darm oder Blutgefäße der Prostata zu verletzen, was zu erheblichen Komplikationen führen kann.
DIE PENISSCHAFTRESEKTION
Hierbei wird der Penis ausgehöhlt. Die Schwellkörper werden soweit wie möglich entfernt. Die Schwellköperstümpfe werden abgebunden. Dies ist notwendig, da verbleibende Schwellkörperreste bei einer späteren sexuellen Erregung anschwellen und den Scheideneingang verengen würden. Bei der Aushöhlung des Penisschafts ist auch darauf zu achten, daß die Blutgefäße und Nervenbahnen nicht verletzt werden, damit die Penishaut später ausreichend durchblutet wird und das Gefühlsempfinden erhalten bleibt. Die Eichel wird von der Haut abgetrennt - auch hier ist darauf zu achten, daß die versorgenden Nerven und Blutgefäße nicht beschädigt werden. Sie wird später ganz oder teilweise als Klitoris eingepflanzt.
EINSTÜLPEN DER PENISHAUT
Die Penishaut wird nun nach innen, in den Hohlraum zwischen Blase und Darm gestülpt. Die Harnröhre wird gekürzt, an der anatomisch richtigen Stelle wieder herausgeleitet und fixiert. Die Eichel wird an die Stelle, an der sich normalerweise die Klitoris befindet, verpflanzt. Ist der Penisschaft behaart, ist es ratsam, ihn vor der Operation epilieren zu lassen, da es sonst später zu Komplikationen mit Haarwuchs in der Scheide kommen kann. Bei zu kurzer Penishaut - zum Beispiel durch Beschneidung - wird diese durch ein Hautstück (in der Regel aus dem Oberarm) vor dem Einstülpen verlängert, um eine ausreichende Scheidentiefe zu erlangen.
BILDUNG DER SCHAMLIPPEN
Im nächsten Arbeitsschritt werden die Schamlippen aus dem Hodensack geformt.
Einige Operateure unterpolstern den Venushügel mit körpereigenen Material oder erzeugen diesen durch einen W-förmigen Schnitt. Hier hat sich noch kein Standardverfahren durchgesetzt.
Abschließend wird die neu erzeugte Neovagina mit Tamponade oder einem weichen Platzhalter (Stent) ausgefüllt, damit sich die Körperöffnung nicht wieder schließt. Die Verwendung eines harten Platzhalters aus Kunststoff hat sich nicht bewährt, da es hier öfter zu Druck-Nekrosen (Absterben des Gewebes) kam.
NACHSORGE
Nach etwa acht bis zehn Tagen ist die Haut im wesentlichen eingeheilt. Es ist in den ersten Wochen notwendig, regelmäßig den Stent in der Vagina zu belassen, damit sich diese nicht wieder schließt. Auch hier hat sich ein weicher, aufblasbarer Platzhalter bewährt, den jedoch aus Kostengründen nicht alle Operateure verwenden. Auch später ist ein regelmäßiges Bougieren (Weiten der Scheide) zum Beispiel mit einem Vibrator ratsam, um ein Schrumpfen der Scheide zu verhindern. Bei regelmäßigem Sexualverkehr ist dies natürlich nicht nötig.
OPERATIONSDAUER
Die Dauer dieses Eingriffs beträgt je nach durchführendem Arzt zwischen drei und acht Stunden. Die unterschiedliche Dauer liegt einerseits an leicht abweichenden Techniken bei den einzelnen Schritten, andererseits auch an unterschiedlicher Sorgfalt, mit der die Operation durchgeführt wird. Zu kurze Operationszeiten sollten skeptisch stimmen.
Nach etwa zwei bis drei Wochen kann man bei normalem Heilungsverlauf die Klinik verlassen.
Im Regelfall wird nach etwa drei Monaten eine Nachoperation durchgeführt, bei der jedoch nur kosmetische Korrekturen gemacht werden. Die Dauer dieser Nachoperation beträgt etwa 30 Minuten.
ANDERE METHODEN
Im Einzelfall kann es nötig sein, andere Methoden anzuwenden. Über längere Zeit wurde zum Beispiel mit sogenannten Darmscheiden experimentiert. Dabei wurde ein Stück des Darms als Neovagina versetzt. Diese Operationstechnik wird aber aufgrund der hohen Komplikationsrate bei der Darmverletzung nur noch in Sonderfällen wie fehlendem Penis oder abgestorbener Neovagina angewandt. Hier ist es ratsam, sich im Vorfeld der Operation eingehend zu informieren, da die Risiken exorbitant hoch sind.
QUALITÄTSUNTERSCHIEDE
Auch wenn sich die Operationsmethoden der einzelnen Ärzte mittlerweile weitgehend gleichen, ist es ratsam, sich im Vorfeld der Operation zu informieren. Man sollte mehrere Ärzte aufsuchen und diese genau zur Durchführung der Operation und bisher aufgetretenen Komplikationen befragen. Auch die Anzahl der bisher durchgeführten Operationen sollte erfragt werden, schließlich will man kein Lehrstück sein. Alle Operateure verfügen auch über Bildmaterial von bisher durchgeführten Operationen.
Die größten Unterschiede bestehen im Moment noch in der Klitorisbildung. Wer auf sein späteres Gefühlsempfinden Wert legt, sollte hier besonders kritisch sein.
Hilfreich bei der Entscheidung, welchen Operateur man wählt, sind auch Gespräche mit bereits Operierten. Dabei können Selbsthilfegruppen oft interessante Kontakte schaffen. Auch hier sollte man aber mit mehreren Betroffenen sprechen, um ein wirklich objektives Bild zu bekommen.
Andere Entscheidungsgründe können auch Wartezeiten auf einen Operationstermin oder eventuell notwendige Zuzahlungen zur Operation sein. Da man diese Operation aber nur einmal im Leben macht, sollten Wartezeiten oder Zuzahlung nicht die Hauptentscheidungsgründe sein. Wichtig ist, daß das Ergebnis so wird, wie man es sich wünscht.
Lea
23.09.1999 © VIVA TS Selbsthilfe