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Stimme im Wandel
Möglichkeiten und Grenzen einer Logopädie
bearbeitet von Christina


Die Logopädie, also die therapeutische Behandlung von Sprache und Stimme wird bei vielen Menschen angewandt, die Probleme mit ihrer Stimme und Sprache haben. Klang und Ausdrucksweise werden ausgebildet und verbessert. Gibt es auch für Transsexuelle Möglichkeiten, mit einer Logopädie ihre Stimme an die des Wunschgeschlechts anzugleichen?


DIE CRUX
Transsexuelle Frauen haben das Problem, daß während des pubertären Stimmbruchs die Stimmbänder durch die Einwirkung des Testosterons gedehnt werden. Dadurch wird die Stimme tiefer und erhält ihren typisch männlichen Klang. Eine spätere Hormonsubstitution mit Östrogen kann diesen Prozeß nicht mehr rückgängig machen.

Transsexuelle Männer dagegen bekommen ihren Stimmbruch durch die Hormontherapie, also durch die Gabe von Testosteron. Dadurch wird ihre Stimme tiefer und männlicher. Allerdings haben sie oft das Problem einer sehr dünnen, kraftlosen Stimme.

Auch die Art zu sprechen, die Artikulation und die Gestik, ist in weiten Bereichen geschlechtsspezifisch, wobei dies mehr ein Ergebnis der sozialen Prägung ist. Für viele Transsexuelle ist es wichtig, diese Gewohnheiten abzulegen und ihre Ausdrucksweise der ihres neuen Geschlechts anzugleichen.

WAS TUN?
Während eine Stimmbandoperation bei transsexuellen Frauen nur die Möglichkeit bietet, die Stimmlage durch Verkürzen der Stimmbänder nach oben zu transponieren, kann eine logopädische Therapie Sprache und Stimme als Ganzes behandeln und somit den Gesamteindruck zum neuen Geschlecht hin verbessern.

Natürlich darf sich frau keine Wunder erwarten, daß ihr Ivan-Rebroff-Organ nach einer Logopädie auf einmal klingt wie Madonna's Erotikgeflüster. Die Stimmbänder sind nun einmal ausgeleiert, und eine Therapie kann keine physikalischen Gesetze ändern. Zum Trost sei gesagt, daß es auch Biofrauen gibt, die aufgrund ihrer tiefen Stimme am Telefon als Mann angesprochen werden.

SO GEHT'S
Wie geht eine logopädische Therapie nun vor? Zunächst ist es wichtig zu wissen, daß die Grundlage des Sprechens das Atmen ist. Deshalb wird als erstes durch gezielte Atemübungen die richtige Atemtechnik gelehrt. Diese muß in Fleisch und Blut übergehen, was ein intensives, ständiges Training erfordert.

Das nächste Problem ist, daß das permanente Anheben der Stimme auf Dauer anstrengend für die Stimmbänder ist. Die Folge davon ist ein Räuspern, Hüsteln und Verschlucken von Silben oder ganzen Worten. Auch wirkt eine einfach nur hochgequetschte Stimme ziemlich klanglos, da sie aus dem Hals herausgepreßt wird. Also muß man nun lernen, mit Mund, Zunge und Gaumen zu artikulieren und die Luft, die ja die Stimme trägt, nicht herauszupressen, sondern ruhig und kontrolliert strömen zu lassen. In Kombination mit der richtigen Atemtechnik empfindet man das Sprechen nun schon als viel leichter und angenehmer.

Und es ist auch nicht mehr so anstrengend, die Stimme etwas anzuheben. Deshalb ist das nächste Ziel, die optimale Tonlage zu finden. Nicht zu tief und nicht zu hoch, es sollte einfach natürlich und angenehm klingen.

Nun hat man schon ein ganz tolles Stimmchen und probiert es im Alltag aus. Doch oh weh! Was ist das? Keiner versteht mich! Spreche ich denn so leise? Ja, das Stimmchen ist halt noch keine kräftige Stimme. Das gilt es als nächstes auszubilden. Und zu üben, üben, üben,... Und nun ist es auch wichtig, sich beim Sprechen einer angepaßten und ausdrucksvollen Körpersprache zu bedienen und beides zu einer Einheit verschmelzen zu lassen.

KEIN LEICHTER WEG
Eine Logopädie ist dadurch geprägt, sich aller bisheriger Gewohnheiten bewußt zu werden, sie dann zu ändern und zu verbessern und so zu verinnerlichen, daß sie zu neuen Gewohnheiten werden. Dies erfordert sehr viel Geduld und Übung.

Ganz wichtig ist auch ein offenes und vertrautes Verhältnis zwischen dem Therapeuten und dem Klienten. Der Therapeut kann nur dann effektiv und wirkungsvoll helfen und Anleitungen geben, wenn er den Klienten gut kennt und dieser aktiv mitarbeitet.

Wer also beabsichtigt, eine Logopädie zu machen, sollte sehr viel Zeit mitbringen und sich einen Therapeuten suchen, mit dem das Prinzip der Übertragung und Gegenübertragung funktioniert.

TIPS
Und hier noch zwei Tips zur Logopädie:

  1. Man kann sich eine Logopädie von einem HNO-Arzt auf Rezept verschreiben lassen (Diagnose z.B.: hormonelle Dysphonie). Dann ist beim Logopäden nur noch der Eigenanteil zu bezahlen.
  2. Am besten übt es sich zu Hause mit einer Cassette, auf der die einzelnen Sitzungen beim Logopäden mitgeschnitten wurden.

Christina

23.09.1999 © VIVA TS Selbsthilfe
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