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Vorher - Nachher
Interview mit einer bereits operierten MzF-Transsexuellen

Wohl alle, die eine geschlechtsangleichende Operation anstreben, werden sich Gedanken über das Nachher machen. Werden die Erwartungen erfüllt? Wir haben ein VIVA-Mitglied interviewt, das im letzten Jahr operiert wurde.

 

VIVATISSIMUS: Du hast Dich von Dr. Spehr operieren lassen. Wie bist Du bei der Wahl des Chirurgen vorgegangen? Welchen anderen Operateure hast Du kennengelernt?
???
Persönlich habe ich nur Frau Dr. Spehr aufgesucht. Andere Chirurgen aus dem Münchner Raum habe ich in der VIVA bei Vorträgen kennengelernt. Außerdem war ich in Vorträgen von Dr. Spehr und Dr. Sohn. Zudem habe ich mich viel bei anderen Operierten umgehört.

VIVATISSIMUS: Welche Kriterien waren für Dich wichtig?
??? Zum einen sollte das Ergebnis optisch gut sein, also "echt" aussehen. Es sollte also möglichst keine sichtbaren Narben geben. Die Vagina sollte sich an der richtigen Stelle befinden, oft sitzt sie viel zu hoch. Manche machen auch keine Schamlippen. Zum anderen sollte das Ergebnis auch funktional gut sein. Die Scheide sollte eine ausreichende Tiefe haben. sechs cm wären mir zu wenig. Außerdem wollte ich auch eine erregbare Klitoris.

VIVATISSIMUS: Hast Du Dir natürliche Vorbilder angesehen, um den optischen Eindruck zu beurteilen?
??? Ich habe mich eher an schlechten Ergebnissen orientiert als an guten Originalen. Es ist ziemlich schwierig zu beschreiben, wie etwas richtig aussehen soll. Viel einfacher ist es, zu erkennen, wenn etwas falsch aussieht.

VIVATISSIMUS: Welche Funktionalität hast Du Dir erwartet?
???

Ich habe mir eigentlich nicht zu viel erwartet.. Das optische Erscheinungsbild hatte bei mir ganz klar Priorität.

VIVATISSIMUS: Bist Du mit dem erreichten Ergebnis zufrieden, was die Funktionalität angeht?
??? Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es sind eigentlich nur Kleinigkeiten, die stören. Die Scheide ist OK - lang und weit genug, und gerade. Erregbarkeit ist nur bedingt vorhanden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das an der OP liegt - ich habe einen Teil meiner Klitoris verloren - oder an mir. Vieles spielt sich ja im Kopf ab.

VIVATISSIMUS: Wie bist Du mit dem optischen Ergebnis zufrieden?
??? Die Schamlippen empfinde ich als zu groß. Ich wollte normal große Schamlippen haben. Nachdem ich einige Ergebnisse von Dr. Spehr gesehen habe, habe ich kleine Schamlippen verlangt, da Dr. Spehr offenbar zu großen Schamlippen tendiert. Im Ergebnis sind sie mir aber immer noch zu groß. Das drückt sich z.B. im Bikini ab. Der Damm ist mir auch nach der Nachoperation noch zu lang. Das will ich in einer zweiten Nachoperation korrigieren lassen. Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden, es sieht sehr natürlich aus.

VIVATISSIMUS: Hat es bei Dir Komplikationen gegeben?
??? Ich hatte ich eine Nekrose an der Klitoris und ein halbes Jahr lang eine Harnröhrenverengung.

VIVATISSIMUS: Kannst Du ein bißchen über die Komplikationen erzählen?
??? Ich hatte beim Wasserlassen Probleme. Frau Dr. Spehr hat die Harnröhre deshalb einmal bougiert [gedehnt].Leider hat das nicht viel genützt. Schließlich war die Harnröhre soweit verengt, daß ich überhaupt kein Wasser lassen konnte. Freitags gab es erste Anzeichen dafür, Samstag kam dann nur noch ein Rinnsal und am Sonntag war alles dicht. Ich mußte sofort ins Krankenhaus, um mir einen Katheder legen zu lassen. Später habe ich selbst gelernt, meine Harnröhre mit einem Katheter zu weiten.

VIVATISSIMUS: Was war die Ursache für die Harnröhrenverengung?
???

Fr. Dr. Spehr meint, daß sie durch eine Pilzinfektion verursacht worden sei.

VIVATISSIMUS: Hast Du heute noch Probleme mit der Harnröhre?
??? Jetzt ist es mal weiter, mal enger, es geht aber nicht mehr ganz zu und ich muß die Harnröhre nicht mehr weiten.

VIVATISSIMUS: Wie häufig kommt diese Komplikation vor?
??? Harnröhrenverengung kommt laut Aussage von Fr. Dr Spehr in etwa 10 Prozent aller Fälle vor.

VIVATISSIMUS: Man hört aber recht wenig von solchen Komplikationen.
??? Das wird im Nachhinein wohl gerne verdrängt.

VIVATISSIMUS: Wann hattest Du die Nekrose?
??? Am sechsten Tag nach der OP hatte ich eine Nekrose in der Klitoris, d.h. ein Großteil des sichtbaren Teils waren abgestorben. Das ging ziemlich schnell; am Vortag hatte man noch nichts davon gesehen. Die abgestorbenen Teile wurden am nächsten Tag entfernt.

VIVATISSIMUS: Heißt das, daß Du jetzt nur eine sehr kleine sichtbare Klitoris hast?
??? Nein, Frau Dr. Spehr hat eine Woche später einen tiefergelegenen Teil nachträglich angehoben und freigelegt. Das Unangenehme dabei war, daß dieser nicht mehr mit Haut bedeckt war denn die wurde ja bei der OP entfernt, damitl dieser Teil innen einwachsen kann. So hatte ich hier zunächst eine offene Wunde, bis die Haut nachgewachsen war. Das war natürlich recht schmerzhaft.

VIVATISSIMUS: Kommt das häufig vor?
??? Soweit ich weiß ist das eine recht seltene Komplikation.

VIVATISSIMUS: Wie lange hat die Genesung gedauert?
??? Es hat rund sechs Wochen gedauert, bis ich mich wieder halbwegs gesund gefühlt habe. Bis ich mich wieder ganz normal hinsetzen konnte, hat es drei Monate gedauert. Radfahren ist manchmal immer noch unangenehm, zumindest die ersten zwei Minuten. Insgesamt ist der Bereich eigentlich genauso empfindlich wie vorher, z.B. bei einem Schlag in den Unterleib.

VIVATISSIMUS: Hast Du noch ein paar abschließende Tips für zukünftige Patientinnen?
??? Vor der OP nicht zu sehr hungern; ich habe nach der OP stark abgenommen. Die letzten zwei Tage vorher sollte man auch nichts Schwerverdauliches (Mais, Erbsen, Salat,...) essen, schließlich muß der Darm völlig entleert werden. Ab Samstag früh bekommt man deshalb kein Essen mehr.
Raucher sollten mindestens vier Wochen vorher mit dem Rauchen aufhören. Man darf ja wegen der Thrombosegefahr nicht rauchen. Durch das Absetzen muß man einige Wochen lang viel Husten, und das ist nach der OP sehr schmerzhaft.
Man sollte auch die Epilation vorher abgeschlossen haben. Nach der OP ist man gut 6 Tage nicht fähig, sich zu rasieren.

VIVATISSIMUS: Was hältst Du von der Forderung nach OP-Standards?
??? Ich sehe das eher zwiespältig. Jede OP ist anders. Standards bremsen auch die Weiterentwicklung, weil eine Weiterentwicklung ja eine Abweichung vom Standard bedeutet. Außerdem ist zu befürchten, daß sich dann die Krankenkassen bei der Finanzierung auf den durch die Standards gesetzten minimalen Umfang beschränken.

Das Interview führte Martina

Site by Sarah
25.01.2000 © VIVA TS Selbsthilfe
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